Widmers unterwegs

Samstag, 21. September 2024

Whistler

Heute früh erwachen wir vom Wecker und nicht davor; die Zeitumstellung ist nun voll geglückt! Wir checken nochmals kurz ab, was wir gestern spätabends noch recherchiert haben, nur um unsere Pläne das erste Mal über den Haufen zu werfen: erstens bräuchten wir für die geplante Wanderung im Nationalpark Eintrittstickets (es sind alle ausverkauft), und zweitens ist der Park den ganzen September über sowieso geschlossen und nur für Indigene zugänglich. Gut, haben wir uns noch einmal informiert!

Also geht die Googlerei wieder los. Was könnten wir heute tun?

Zuerst brauchen wir aber Frühstück. Das kann man hier in den meisten Hotels nicht dazubuchen, es hat einfach im Eingangsbereich sowas wie Selecta-Automaten. Wir irren also in der verwinkelten Tiefgarage etwas umher, bis wir unser Auto wieder finden, fahren nach Whistler hinunter und suchen dort den Tim Horton auf. Uns wurde gesagt, das sei eine typisch kanadische FastFood-Kette für Kaffee und co. Als wir in der Schlange stehen und auf den blinkenden Bildschirmen etwas Bestellbares suchen, will Simone schon wieder umdrehen und im Supermarkt nebenan Früchte und Gipfeli einkaufen gehen. Aber nein, also wenigstens probieren muss man schon! Marco bestellt ein Gipfeli mit Spiegelei, Speck, Goudda und Ahornsirup (!), Simone einen Apple Fritter, ungefähr eine Mischung aus Zimtschnecke und McDonads ApplePie. Verzuckert, fettig, aber ganz fein. Der Milchkaffee riecht wie ultrabitterer Filterkaffee mit Kaffeerahm, leider bei besten Willen nicht trinkbar…

Nach einem kurzen Zuckerschock (Marco hat sich nach dem zerdrückten Gipfeli dann auch noch einen Apple Fritter geholt) gehen wir wieder mal ein Picknick einkaufen und spazieren dann noch durch den Dorfkern von Whistler, welcher sich sehr nach Europapark anfühlt. Im Sommer beherrschen Mountainbiker hier das Bild.

Nach diesem Eindruck fahren wir los in Richtung Brandywine Creek. Für Ortskundige: uns interessiert nicht der Wasserfall, da kommt ja jeder hin, es hat gleich einen Parkplatz daneben, sondern die Brandywine Meadows. Dazu fahren wir ab vom Highway in den Wald hinein. Unser Ziel ist das Lower Parking, zum Upper Parking kommt man laut Internet nur mit einem 4x4. Vor uns überqueren zwei Mal Kojoten den Weg und als die Strasse vor lauter Schlaglöcher für unsere Limousine schier unüberwindbar wird, sind wir kurz davor, abzubrechen. Da überholt uns aber zum Glück ein anderes Auto eher zielstrebig und wir geben der Wanderung noch eine letzte Chance. Und siehe da, wir kommen ohne Kratzer oder Beulen, nur etwas staubig, auf dem Parkplatz an.

Wir schnallen unsere Wanderschuhe an und los gehts den Wald hinauf. Der Weg ist erbarmungslos, geht die ersten 300 Höhenmeter über Wurzeln und Felsen steil durch den Wald bergauf. Wir keuchen und pfuttern ein bisschen, unsere Kondition ist nicht mehr das, was sie einmal war!

Aber nach diesem ersten Stück wird es richtig schön. Der Wald lichtet sich und wir finden uns in einer Märchenlandschaft mit viel Moos und Rinnsalen wieder.

Kurz nach dem Mittag erreichen wir unser Ziel. Plötzlich hat es wieder viele Touristen, die haben alle mit ihren Trucks auf dem oberen Parkplatz parkiert. Das Sumpfgebiet ist zwar nicht so farbenfroh mit Blumen geschmückt wie erwartet, aber trotzdem wild und wunderschön.

Wir picknicken hier und Simone geniesst ihre obligate Siesta an der Sonne, während Marco das Tal noch etwas weiter erkundet. Für den Rückweg nehmen wir das Strässchen und sind um halb fünf dann wieder unten beim Auto. Gaanz so idyllisch wie hier beschrieben war es aber schon nicht; Simone hatte zwischendurch immer wieder panische Angst vor Bären, denn unten an der Strasse hatte es ein grosses Warnschild. Und auch wenn alle sagen, dass die Fiecher mehr Angst vor uns haben als wir vor ihnen, überraschen oder antreffen möchte man keinen. Die Einheimischen lassen sich davon aber auf jeden Fall nicht aus der Ruhe bringen, die wandern hier frischfröhlich durchs Dickicht.

Der Rückweg über den Sea to Sky Highway in der Abendsonne ist wunderschön und Marco muss sich richtig konzentrieren, um auf die Strasse zu schauen und nicht auf den Sonnenuntergang!

Unterwegs halten wir in der Horseshoe Bay für ein Nachtessen an. Hier ist der grosse Fährhafen von Vancouver, die Schiffe fahren gefühlt im Viertelstundentakt.

Nachdem wir einer Robbe zusehen, die hier in der Bucht ihre Runden dreht, sitzen wir in ein Restaurant. Marco bestellt koreanischen Hotdog und Simone einen Caesar Salad; da kommt tatsächlich Eisbergsalat mit Cheddar paniert an den Tisch! Eben, bestellen ist in Nordamerika nicht so einfach wie zu Hause… Wir freuen uns darauf, im Camper dann selber kochen zu können!

Ca. um 21h sind wir zurück in Coquitlam bei Bert und Suzanne und erzählen ihnen von unserem Ausflug. Sie sind noch wach und warten auf die Gemüselieferung, die irgendwann vor 22 Uhr ankommen sollte. Andere Länder, andere Sitten!