Widmers unterwegs

Donnerstag, 26. September 2024

Start ins Camping-Abenteuer

Auf diesem Bild ist unser neues Vehikel zu sehen! :) Aber starten wir doch am Morgen früh…

Heute probieren wir die Konkurrenz vom Zeitgeist-Café auf der gegenüberliegenden Strassenseite, und siehe da, die Gipfeli sind NOCH TEURER! Zum Glück können wir bald im Supermarkt diese 12er-Pack Gipfeli einkaufen und die Resten am nächsten und übernächsten und überübernächsten Tag noch essen (Simone hat immer noch die Illusion, dass es hier irgendwo essbares Brot gibt. Schliesslich gab es welches in Kanada!). Aber wieso verkauft hier niemand 2er- oder 4er-Pack von irgendetwas? Ihr seht, wir waren heute einkaufen, aber dazu später…

Nach dem luxuriösen europäischen Frühstück packen wir unsere Koffer in der Gefängniszelle, welche gute Dienste geleistet hat, und machen uns auf den Weg zur Camper-Vermietungsstation. Nicht, wie man vielleicht meinen könnte, mit einem Taxi oder Uber, mit unserem schweren Gepäck. Nein nein, das geht auch mit dem Bus. Die Linie 132 fährt nämlich direkt ohne Umsteigen in den Süden, es dauert nur vierzig Minuten. Gesagt, getan. Es ist ein Erlebnis, denn es hat ausser uns keine Touristen im Bus. Wie das in Nordamerika so ist, kommt man sofort mit allen ins Gespräch (bzw. fallen wir vermutlich einfach auf). Dass wir in den Süden fahren ist klar, jeder Haltestellenname enthält mindestens zweimal das Wort “South”. Bei irgendeinem Halt im Nirgendwo (“South XY South”) ziehen wir die Reissleine, um den Halt zu verlangen, und steigen aus. Marco führt uns zielstrebig um einen McDonalds und eine Autogarage herum und da sehen wir schon von weitem die ganze Camperflotte stolz auf dem Platz stehen.

Ein netter Herr begrüsst uns, er spricht sogar astreines Hochdeutsch. Wir unterschreiben an mindestens hundert Stellen, dass wir keine Kiesstrassen befahren, im Camper nicht rauchen und dass wir auswendig wissen, dass der Camper 12 Fuss hoch ist (wieviele Meter das sind, wollen wir eigentlich gar nicht wissen). Dann kriegen wir eine Einführung, was wo ist, wie man Wasser und Strom anschliesst und Schmutzwasser ablässt, wie der Herd funktioniert etc. Und schliesslich wird uns der Schlüssel in die Hand gedrückt und wir werden vor einem grossen Regal stehengelassen, das voll ist mit Camping-Utensilien, die von den Vormietern zurückgelassen wurden.

Wir decken uns ein mit Grill, WC-Papier, Plastikhandschuhen, Saugnapfhaken, Zwiebeln und Teigwaren und richten uns in der nächsten Stunde in unserem neuen Zuhause ein. Wir packen unsere Koffer in den Camper um, beziehen die Betten und räumen die diversen Schränkli und Fächer ein. Die zig Stauräume auf der Aussenseite des Fahrzeuges müssen alle einzeln abgeschlossen werden, Marco kommt ist mit seinem Schlüsselbund in seinem Element (Tag- oder Nachtsicherung?).

Schliesslich ist alles verstaut und wir fahren ganz ehrfürchtig los mit dem riesigen Ungetüm. Natürlich muss Marco fahren, Simone getraut sich noch nicht :) Wir fahren nicht weit, nur bis zum obengenannten McDonalds, da überkommt uns der Hunger und wir essen halt schon wieder FastFood… Aber wirklich notgedrungen, weil es hier sonst weit und breit nichts anderes hat!

Dann kurven wir über den Highway durch den Verkehr. Was um uns herum geschieht, müssen wir raten, in den riesigen Aussenspiegeln (die die Sicht aus den Seitenfenstern verdecken) sehen wir nur unser eigenes Vehikel und einen Innenspiegel gibt es gar nicht. Ausserdem muss Marco noch lernen, etwas sanfter anzufahren, auf den ersten paar Meilen haben wir einen Verbrauch von 33 l/100km…

Den Nachmittag verbringen wir im nächsten Walmart, wo wir von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr durch die Regale laufen, unsere Einkaufsliste abarbeiten und dazwischen einfach staunen, was es hier alles zu kaufen gibt (Marco beeindruckt die riesige Weihnachtsbaum-Abteilung, während Simone über die unzähligen Deo-Varianten staunt). Bis am Abend haben wir je fast 10'000 Schritte, und das praktisch nur vom Einkaufen!

Schliesslich begeben wir uns leicht unterkühlt von all den Kühlregalen an die Kasse, wo die Kassiererin in einer Gemütsruhe alles scannt. Wir bezahlen ca. 300 Dollar für einen ganzen Einkaufswagen voller Waren und rollen diesen auf den Parkplatz. Wieder gehts ans Einräumen. Man muss gut überlegen, was man wo hinstellt, sonst fliegen einem die Büchsen um die Ohren, wenn Marco wieder zu schwungvoll losfährt!

Auf der Weiterfahrt streifen wir noch etwas die Rush Hour, aber kommen ohne Zwischenfälle und bei Tageslicht beim Lake Pleasant an, wo wir für unsere erste Nacht einen luxuriösen Campingplatz gebucht haben. Schon von zuhause aus haben wir lange den Lageplan studiert und überlegt, welches wohl der beste Stellplatz ist. Unsere Wahl fiel schlussendlich auf den Platz Nummer acht, ein “Back-in Waterfront”. “Waterfront”, weil er einen schönen Blick auf den kleinen See bietet und “Back-in” weil man sein Vehikel rückwärts parkieren muss. Zum Glück haben wir eine Rückfahrkamera! Sie überträgt neben Bild auch den Ton von hinter dem Camper. So kann Simone ganz ohne Zeichensprache einweisen!

Nachdem wir mit Frischwasser und Strom verbunden sind, machen wir in der Dämmerung noch einen Spaziergang über den Campingplatz. Wir staunen nicht schlecht, welch grosse Vehikel hier herumstehen! Oft stehen noch 1-2 Autos dabei; es ist uns ein Rätsel, wie das alles zusammen transportiert werden kann. Da kommt uns unser Gefährt doch plötzlich beschaulich klein vor. Ein Trick hat es aber noch auf Lager: Per Slide-out kann unsere gesamte Sitzecke um ca. 50cm nach draussen gefahren werden. So entsteht drinnen plötzlich viel mehr Platz!

Zurück im Camper macht sich Simone ans Kochen und Marco sammelt die Schmutzwäsche ein und geht die amerikanische Waschmaschine auf dem Campingplat ausprobieren. Zum Abendessen gibt es nur Penne mit Tomatensauce, aber wir sitzen unheimlich stolz in unserem neuen Daheim und finden es das beste Essen seit einigen Tagen!

Abwaschen muss man hier halt auch von Hand, aber vielleicht lernen wir so mal noch, etwas sparsam Geschirr zu benutzen (gäll Nicole?). Nachdem die Wäsche aus dem Tumbler gefischt und der Blogeintrag geschrieben ist, können wir in aller Ruhe in unser feudales Bett liegen. Der Start ins Camping-Leben ist geglückt!