Widmers unterwegs

Mittwoch, 9. Oktober 2024

Zwischen Geysiren und Tieren

Wir erwachen top erholt auf dem Truckstop und müssen wohl fast nicht mehr erwähnen, dass uns ein strahlend blauer Himmel erwartet! Heute haben wir eine grosse Runde durch den Yellowstone Nationapark geplant. Wie fahren also wieder durch die Abschrankung (bald haben wir den Jahrespass rausgeholt!) und düsen los in Richtung der Geysire.

Der Park ist auch anfangs Oktober noch sehr touristisch. Wir fahren in einer Autokolonne hinein und meistens bedeutet eine stehende Autoschlange vor uns, dass es etwas zu sehen gibt. Entweder irgendwelche Tiere oder man kann abbiegen auf einen Parkplatz, um etwas zu besichtigen. Wir schicken uns hinein in die Art, wie man diesen Park besucht und halten immer wieder an, um kurz auszusteigen und einen Geysir oder von Mineralien schön verfärbte Böden zu besichtigen. Überall, wo wir durchkommen, dampft und raucht es aus dem Boden. Wir haben so etwas noch nie gesehen!

Bei einem blubbernden Pool bekommen wir beide plötzlich total Lust auf einen Besuch im Thermalbad. Nur ist es hier leider verboten, auch schon nur einen Finger hinein zu halten in die heissen Quellen! Der Morgen geht so rasch vorüber und das Stop & Go hat auch seine Vorteile, weil man sich immer wieder kurz die Beine vertreten kann (wir sind heute auf über 10'000 Schritte gekommen).

Am Mittag kommen wir bei Old Faithful an, das ist wohl der berühmteste der Geysire hier, weil seine Eruption fast auf die Minute genau vorhersehbar ist. Der Parkplatz scheint recht leer als wir ankommen; natürlich haben wir gerade einen grossen Ausbruch verpasst. Nicht so schlimm, in 75 Minuten ist bereits der nächste angesagt.

Wir sehen uns den Tourishop an, stecken kurz den Kopf hinein und gleich wieder hinaus beim pumpenvollen Old Faithful Grill, und machen dann einen Rückzug auf den Parkplatz, wo wir mithilfe des Generators den Backofen anwerfen, unsere Mini-Quiches aus dem Walmart backen und dazu einen Salat essen. Mmh, mal wieder Essen wie zu Hause!

Nach dem Mittagessen schaffen wir es gerade pünktlich auf den nächsten Ausbruch des Geysirs zurück und staunen nicht schlecht, wie viele Leute da plötzlich aufgekreuzt sind! Alle jubeln und klatschen als die Wasserfontäne spritzt.

Das Spektakel dauert keine drei Minuten aber ist recht cool, sieht ein bisschen aus wie ein Jet d’Eau, und es wundert uns, dass das ganz ohne Pumpe möglich ist. Wir scheinen da wirklich auf einem grossen Vulkan spazieren zu gehen…

Bald geht unsere Runde weiter. Als nächstes kommen wir zum Lake Yellowstone. Am Ufer dampft es wieder aus allen möglichen Löchern und der See ist riesig und kristallklar. Simone hält mit dem Feldstecher Ausschau, aber es sind leider weder Wale noch Delfine zu sehen…

Im Hayden Valley nehmen wir uns Zeit für viele Stops, denn hier hat es einige Büffelherden und wir sehen sogar Bisons die Strasse kreuzen, nur ein paar Autos vor uns!

Am späteren Nachmittag erreichen wir den Grand Canyon vom Yellowstone, einen riesigen Canyon den der Fluss in den Fels gefressen hat. Der ist mordseindrücklich, da macht sogar Simone mal ein Foto! (Den Old Faithful hat sie übrigens auch gefilmt und ein paar Tiere fotografiert, da entwickelt sich vielleicht doch noch eine Hobby-Fotografin?)

In der Abenddämmerung verlassen wir den Park langsam wieder in Richtung Norden. Es ist Hirsch-Zeit und wir sehen überall am Strassenrand ganze Herden von riesigen Hirschen mit weissem Hinterteil. Sie nehmen von den Autos absolut keine Notiz und lassen sich unbeeindruckt fotografieren beim Vorbeifahren. Uns freuts!

Eigentlich hätten wir gerne noch eine richtige Wanderung gemacht hier. Aber in der Nationalparkszeitschrift hat es klare Anweisungen, wie man hier zu wandern hat: man muss in Gruppen zu mindestens drei Personen unterwegs sein und einen Bärenspray dabei haben (UND: wissen, wie man den diesen “Pfefferspray” benutzt!). Irgendwie wollen wir nicht die doofen Touristen sein, die den Anweisungen keine Folge leisten und denen promt etwas zustösst. Also geben wir uns mit den ausgeschilderten Trails in der Nähe der Parkplätze zufrieden und machen dafür einfach ganz viele davon. Der Tag heute hat uns sehr gefallen, die Natur hier ist wunderschön und es war gemütlich, durch den Park zu hötterlen mit dem Hörbuch in den Ohren, und immer mal wieder in der Ferne Bisons und Hirsche zu sichten; für unsere Augen sehr ungewöhnlich und darum ziemlich spektakulär! Jetzt fehlen nur noch die seltenen Tiere. Aber irgendwie wollen wir den Wölfen und Bären auch nicht zu nahe kommen…

Heute Abend campieren wir wiedermal auf einem Parkplatz, diesmal nördlich des Nationalparks in Gardiner. Wir haben vor, morgen nochmals reinzufahren und hoffentlich in den Morgenstunden ein paar Tiere zu sehen.