Von Büffeln und Bills
Nachdem gestern noch ein paar Hirsche um unseren Camper geschlichen sind, ist es heute in der Morgendämmerung ganz ruhig. Wir fahren als erstes wieder los in den Nationalpark. Von Norden her ist viel weniger los, das scheint nicht eine Hauptroute in den Park hinein zu sein. Trotzdem hat es schon eine Autoschlange vor dem einzigen geöffneten Schalter am Eingang.
Wir fahren ins Lamar Valley, ein Hochtal, das uns wieder viele wilde Tiere verspricht. Und tatsächlich, bald schon sehen wir richtig grosse Herden von Bisons gemütlich auf den Wiesen weiden. Sie sind weit weg von der Strasse, man sieht nur schwarze Flecken in der Landschaft, aber durch den Feldstecher sehen wir lange zu, wie sie sich am Boden wälzen, friedlich grasen, schlafen oder gemächlich in eine Richtung trotten. Sie sind beeindruckend, weil sie solche Kolosse sind.
Wir lassen das Tal hinter uns und fahren auf einer wunderschönen Route über Pässe und durch Täler nach Osten.
Auf dem Dead Indian Pass, es ist inzwischen 14 Uhr geworden, halten wir an, stellen den Camper so hin, dass wir von drinnen eine gute Sicht auf die Täler rundherum haben und köcheln uns gemütlich ein Mittagessen.
Als das Wetter etwas schlechter wird, fahren wir weiter und kommen bald in Cody an. Hier fahren wir auf einen Parkplatz, um uns zu orientieren, und sehen, dass es sich um ein Sportgeschäft handelt. Da Simones Turnschuhe sich bald in Fäden auflösen, will sie kurz die Schuhauslage anschauen gehen. Doch im Innern des Ladens kucken uns haufenweise ausgestopfte Tiere entgegen und wir merken schnell, dass wir uns getäuscht haben: es handelt sich um ein Geschäft für Fischerei- und Jagdartikel: An einer Wand hängen lauter Gewehre, man kann sich alle möglichen Kleider in Tarnfarben kaufen und sogar ein ausgestopfter Grizzly ist für 3000 Dollar zu haben; nur bunte Turnschuhe sind vergebens zu suchen. Das versteht man hier also unter Sport…
Wir machen hastig einen Rückzieher aus diesem Gruselkabinett und sehen uns stattdessen das “Buffalo Bill Center of the West” an. Vor dem Gebäude stehen schöne Bronzestatuen von Bären, Elchen und anderen Tieren und drinnen werden wir gleich herzlich begrüsst und lassen uns erklären, dass hier fünf Museen unter einem Dach vereint sind. Eines über moderne Kunst, eines über Buffalo Bill, eines über… Simone hört schon nicht mehr richtig zu, Museen können es ihr ja nicht so besonders. Wir bedanken uns höflich für die Erklärung, schauen uns kurz im Souvenir-Shop um und machen uns dann aus dem Staub.
Beim Campingplatz angekommen sind wir nicht gerade überzeugt, er liegt an einer stark befahrenen Strasse und die Stellplätze liegen gleich neben einer Tankstelle. Wir beschliessen, doch nochmal eine Nacht ohne frischen Strom und Wasser durchzukommen und parkieren für heute auf dem Walmart-Parkplatz. Hier sind wir in guter Gesellschaft, in diesem Bundesstaat ist das nämlich erlaubt und so breiten sich hier schon ein paar riesige Wohnwägen aus.
Wir machen einen Abendspaziergang in den alten Teil von Cody. Hier hat es ein paar restaurierte historische Gebäude. Wir schauen sie uns von aussen an, denn das Museum hat leider wie so vieles hier für diese Saison bereits geschlossen. Dafür schrecken wir ein wildes Häschen auf und Marco fotografiert es gekonnt, bevor es wieder davonspringt (es gehört sozusagen noch zur heutigen Safari).
Infotafeln berichten über “Buffalo Bill” Cody, den Gründer und Namensgeber dieser Stadt. Er hat sich als erfolgreicher Bisonjäger hier einen Namen gemacht und diese Stadt mitten in der Prärie gegründet. Um 1890 entwickelte er die Show “Buffalo Bill’s Wild West” zu Stereotypen des Wilden Westens, mit der er bis nach Deutschland tourte.
Zurück beim Camper beschliessen wir, noch kurz etwas einzukaufen bei Walmart, wenn wir schon den Parkplatz benutzen, und kommen mit viel mehr aus dem Geschäft, als wir eigentlich wollten. Schliesslich kochen wir Riz Casimir zum Znacht, etwas schwierig mit anderen Gewürzen als daheim, aber wir kriegen es mehr oder weniger hin. Dann hören wir noch unser drittes Hörbuch zu Ende, das uns die letzten Tage im Auto begleitet und die Fahrstunden verkürzt hat.