Widmers unterwegs

Freitag, 11. Oktober 2024

Prärie im Wilden Westen

Heute erwachen wir frisch erholt, die Nacht war hier in Cody erstaunlich warm und die Sonne scheint vom blauen Himmel. Wir frühstücken wieder mal etwas neues, gestern haben wir uns tiefgekühlte Waffeln gekauft und toasten diese zum Frühstück. Mit etwas Konfi oder Nutella sehr fein und eine knusprige Alternative zum Granola-Müesli. Heute Morgen mögen wir noch nicht die lange nächste Etappe unter die Räder nehmen und beschliessen deshalb, es etwas gemütlich anzugehen. Wir spielen ein paar Runden Frantik und machen einen Spaziergang über den Walmart-Parkplatz, weil man da immer spannende Sachen entdeckt; was die Amis so einkaufen, wie ihnen von Walmart-Mitarbeitern die Einkäufe ins Auto geladen werden (sie müssen dazu nicht mal aussteigen), wie andere Camper so auf dem Parkplatz stehen und ihr Hab und Gut rundherum ausgebreitet haben und wie gross die vielen Trucks sind, die hier täglich Waren anliefern. An einem Lastwagen werden noch die Reifen gewechselt und wir beobachten das Ganze aus der Ferne, bis wir uns schliesslich entschliessen loszufahren.

Zuerst geht es zur Mülldeponie. Wie richtige Schweizer trennen wir unsere PET-Flaschen von den Büchsen und vom Glas und lagern trotz beschränktem Platz alles separat. Vor ein paar Tagen wollte Simone auf einem Campingplatz alles entsorgen, fand aber nur eine einzige Mülltonne vor (und hier das Geständnis, sie hat einfach alles in die Tonne geworfen). Marco war hellentsetzt, also sammeln wir seither weiterhin unseren Abfall säuberlich getrennt. Seit einigen Tagen schon überquillt der PET-Sack, was diejenigen etwas nervt, die einfach alles in einen normalen Kübel geworfen hätten. Also, Entsorgen ist ab jetzt Marcos Auftrag, und er recherchiert gewissenhaft. Von der Abfalldeponie bei Walmart ist er mit den beiden vollen PET-Säcken wieder zurück gekommen, da kann man nur Plastiksäcke entsorgen… Aber dann hat er im Internet herausgefunden, dass Cody eine Mülldeponie hat. Wir fahren also vorbei und siehe da, PET-Flaschen wird man hier los, man muss einfach erst den Deckel abschrauben und in einen separaten Topf werfen (wieso?). Das dauert bei unserer Menge an Flaschen seine Zeit. Wer sich jetzt fragt, wieso wir so viel PET-Abfall haben: wir trinken Wasser aus 0.5L-Flaschen, denn wir trauen unserem Frischwasserank nicht genug, um das Wasser ungekocht zu trinken. Noch so etwas Schweizerisches… Aber zurück zur Mülldeponie, auch Büchsen und Glas nehmen sie, wir sind also all unseren Abfall wieder einmal losgeworfen. Später merken wir nur, dass wir vor lauter Recycling den Kübelsack wieder mitgenommen haben.

Wir fahren weiter zur Dumping-Station ausserhalb von Cody, hier kann man sein Abwasser loswerden und dann mit einem Stützliautomat frisches Wasser füllen. Klingt gut, nur haben wir natürlich gerade nicht genug Vierteldollar-Münzen mit dabei. Also beschliessen wir, später nochmals vorbei zu kommen, und stellen uns etwas auf die Seite, um hier einen kleinen Mittags-Imbiss zu nehmen. Wir haben Crackers gekauft, weil unsere Blévita bald ausgehen. Ganz so gut wie Blévita sind sie nicht, aber wenigstens schön knusprig. Während wir so genüsslich unsere Zwischenverpflegung essen, fährt ein Wohnwagen an die Dumping-Station. Weil die Amerikaner alle so nett und hilfsbereit sind, wechseln sie uns gerne ein paar Dollar in Münzen und wir können tatsächlich den Wassertank gleich noch füllen.

Mit frischem Wasser machen wir uns auf in den Osten von Cody. Cody ist bekannt für seine wilden Mustangs (die scheinen aber schon Winterschlaf zu halten) und das Rodeo (macht erst nächsten Sommer wieder auf), aber wir ahnen in diesem Moment noch nicht, dass das ganze Unterfangen erfolglos bleiben wird. Wir fahren also auf dem Wild Horse Highway über die weiten Flächen, auf denen wir uns super gut galoppierende Pferde vorstellen können, bis zur recherchierten Abzweigung. Leider handelt es sich um einen Kiesweg und wir können den Camper nicht da drauffahren, spätestens beim Kreuzen mit einem anderen Auto wäre Schluss (manchmal wäre ein kleines VW-Büsli schon praktischer). Also stellen wir den Camper ab und marschieren zu Fuss los. Die Nachmittagssonne wärmt die Steppe ziemlich auf und wir haben auf der Karte gesehen, wie gross das Mustang-Gebiet ist… Eigentlich ein unmögliches Unterfangen, aber uns tun ein paar Schritte zu Fuss gut. Die Strasse führt ganz leicht bergauf und wir entscheiden uns immer mal wieder für noch einmal die nächste Hügelkuppe, vielleicht sehen wir die Mustangs von dort… Aber irgendwann sieht immer alles wieder gleich aus und wir beschliessen, umzudrehen.

Ganz erfolglos sind wir aber doch nicht, denn wir sehen unterwegs ganz viele Antilopen, die hier ebenfalls leben. Sie sind sehr scheu und wir zu Fuss viiiel zu langsam, um eine Nahaufnahme zu machen. Aber sie hüpfen und galoppieren lautlos und ganz anmutig durch die Gegend, was uns den Marsch erheblich verkürzt, denn wir sehen immer mal wieder eine kleine Herde.

Mit etwas Glück erkennt man ganz viele Antilopenfüdli

Um 18h sind wir zurück beim Camper und überlegen, wie es nun weitergehen soll. Wir müssen morgen durch den Yellowstone und den Grand Teton Nationalpark fahren und im Süden wieder raus, weil wir unterwegs nirgends eine Übernachtungsmöglichkeit haben (entweder verboten oder ausgebucht). Das ist ein ganzes Stückchen und wir beschliessen, heute Abend eine Stunde davon bereits zu fahren und kurz vor dem Yellowstone-Nationalpark unsere Nachtpause zu machen. Schon cool, dass wir so spontan beschliessen können, wohin wir noch fahren und was wir am nächsten Tag machen, uns gefällts! Wir fahren also in der Abenddämmerung auf die Berge zu, hören dazu gute Musik und sind mega glücklich und zufrieden.

Schliesslich kommen wir auf dem herausgesuchten Parkplatz an und Marco kocht uns einen Linseneintopf mit Würstchen und Naan (also das haben wir fertig gekauft, muss er nur noch wärmen), während Simone eine ausgiebige heisse Dusche geniesst. Wir stecken in einem Funkloch, so nahe am Nationalpark verwunderts uns nicht, und nach dem feinen Nachtessen kriechen wir bald unter die Decke, damit wir für morgen fit sind.