Herbst-Safari
Nach einem frischen Start in den Tag fahren wir noch vor dem Frühstück kurz vor acht los. Letzter Tag im Yellowstone Nationalpark, das müssen wir schon noch etwas ausnutzen! Wir passieren das östliche Tor und unzählige Rehe säumen unseren Weg, währenddem wir uns die Strassen hochschlängeln.
Auf dem ersten Pass erwartet uns die Sonne und wir beschliessen, an diesem schönen Bergsee unsere Frühstückspause einzulegen. Wir toasten ein paar Waffeln und essen Früchte dazu, dabei beobachten wir einen Otter, der durch das einkalte Wasser schwimmt.
Frisch gestärkt gehts weiter. Bald erreichen wir den Yellowstone Lake, an dem wir schon vorvorgestern waren.
Doch plötzlich stehen auf einer Strasse weiter den Hang hoch viele Autos am Strassenrand. Wir biegen ab und suchen mit unserem Camperlein auch einen guten Parkplatz (so dass wir am Strassenrand nicht gleich den Hang runter kippen) und gesellen uns zu all den Tierbeobachtern mit Teleskopen und riesigen Spiegelreflexkameras. Und siehe da, hier sehen wir zum ersten Mal Grizzlys. Sie sehen mega gemütlich und flauschig aus so aus der Ferne, sind aber definitiv um mehrere Masstäbe grösser als der kanadische Schwarzbär, den wir schon gesehen haben. Eine Mutter grast mit ihren zwei Jungen, eine andere schlendert mit ihrem Jungen durch das Unterholz und ein weiterer Grizzly zottelt alleine durchs Unterholz, wir sehen insgesamt sechs Bären! (Wir nennen sie Grizzlys, weil die Tierbeobachter hier alle so wirken wie wenn sie drauskämen und sie sagten, es seinen Grizzlys.)
Suchbild
Wir verbringen einige Zeit hier mit Tierbeobachtungen und schiessen durch den Feldstecher sogar ein paar Bilder, auf denen man die Tiere als Bären erkennt, juhu!
Irgendwann haben wirs gesehen und wir fahren weiter, entlang des Sees nach Süden und schliesslich durch das südliche Tor des Nationalparks. Nun haben wir ziemlich alle grossen Strassen im Park abgefahren, alle vier Tore benutzt, wir haben echt das beste aus diesem Besuch herausgeholt.
Fährt man südlich aus dem Yellostone Nationalpark, landet man eigentlich fast direkt im nächsten, dem Grand Teton Nationalpark. Meega coole Berge aus der Ferne und mega schöne Seen. Am Jackson Lake mitten im Park machen wir eine Mittagspause, wärmen ein paar Resten und setzen uns auf die knorrigen Bäume am See. Die Sicht auf die Grand Tetons auf der anderen Seeseite in der mysthischen Dunst-Stimmung gefällt uns meega gut. Kommt hier vielleicht insgeheim etwas Heimweh auf? Sieht ja schon sehr ähnlich aus wie in der Schweiz :)
Etwas weiter südlich hat es endlich auch mal Laubbäume, damit man die Herbstfarben so richtig sieht. Marco kann sich vor lauter Schönheit der Natur fast nicht erholen und wir halten alle paar Meter an, um ein paar noch bessere Bilder zu machen. Simone hört in der Zwischenzeit den Podcast weiter :)
Bei der Ortschaft “Moose” treffen wir wieder viele stehende Autos am Strassenrand an und wir wissen, wenn die Leute ihre Teleskope auf Stativen aufgestellt haben, dann sind es nicht nur Bisons :) Und da sehen wir tatsächlich über den Nachmittag verteilt noch mindestens fünf Elche, zwei davon recht nahe, und Simone kriegt es bald mit der Angst zu tun, als sie vorbeigehen, so riesig sind die Fiecher. Und sie wirken anders als die Bisons absolut nicht träge! Aber die Natur-Fotografen um uns herum gehen sogar noch näher ran, Elche scheinen also nicht so launisch zu sein.
Auf der Weiterfahrt kommen wir in Jackson Hole vorbei. Das Städtchen hat bei der Durchfahrt recht viel Charme und wir beschliessen, hier etwas durchzuschlendern. Es ist früher Samstagabend, alle sind auf den Beinen und aufgetakelt unterwegs in Bars und sonstwohin. Überall sieht man Cowboy-Hüte und -Stiefel.
Auf dem Dorfplatz hat es vier riesige Torbögen aus abgestossenen Geweihen.
Nachdem wir ein paar Strässchen angeschaut haben, man kann hier überall auf den Verandas vor den Häusern unter den Dächern laufen, suchen wir uns einen Znacht und landen in einem Pub im ersten Stock auf der Terasse. Wir bestellen uns eine Art Focaccia und (natürlich) einen Burger mit Pommes, beides mega fein zubereitet und wir schnabulieren glückselig vor uns hin. Dabei kommen wir mit unseren Tischnachbarn ins Gespräch. Sie sind ganz aus dem Häuschen, dass wir acht Wochen am Reisen sind, gratulieren zur Hochzeit, und bezahlen einfach unser Nachtessen, als Geschenk zur Hochzeit. Wir sind irgendwie ein bisschen perplex, aber auch sehr gerührt von dieser Freundlichkeit! Wir machen ein gemeinsames Erinnerungsfoto und dann trennen sich unsere Wege wieder.
Als es langsam frisch wird, suchen wir zuerst vergeblich einen Cappuccino To Go für Simone (alle Cafés haben abends schon geschlossen) und steigen dann wieder in den Camper, um noch 30 Minuten weiter südlich einen Campingplatz anzufahren. Eigentlich seit Ende September geschlossen, darum kein Wasser mehr, aber man kann solange das Tor noch offen ist jeden Platz kostenlos benutzen. Viele Plätze sind schon besetzt und wir kommen wieder einmal im Dunkeln an, aber wir finden doch noch eine gute Ecke und stehen also eine weitere Nacht kostenlos in der Landschaft herum. Nur Handynetz ist wieder einmal etwas zu viel verlangt. Aber wir können uns ja gut beschäftigen, wir haben Berichte zu schreiben, Fotos auszusuchen, Bücher zum Lesen, Spiele zum Spielen, und schlussendlich werden wir einfach auch schnell müde, sobald die Sonne untergegangen ist. In diesem Sinne, gute Nacht!