Schluchtenland
Heute ist Sonntag und wir lassen den Tag gemütlich angehen. Noch im Bett machen wir das erste Telefon in die Schweiz. Heute ist Tag der Lebenszeichen und wir berichten einmal noch live und am Telefon, wie es uns so ergeht im grossen Amerika. Danach gibts ein kontinentales Frühstück, wir haben ja Campingplatzstrom! Warme Gipfeli und Toast und ein Früchteteller. Mmh, wir sind schon grosse Frühstücksfans… Während Simone das zweite Telefonat des Tages führt, bereitet Marco den Camper für die Abfahrt vor. Dabei geht der Besen zu Bruch (Marco drückt wohl viel mehr auf den Stiel beim Beselen als Simone… Ein Staubsauger wäre schon viel wert!), aber sonst läuft alles nach Plan und um 10.59h fahren wir weg von dem Platz, den wir bis um elf geräumt haben müssen. Schweizerische Pünktlichkeit!
Wir fahren wieder in das von Marco heiss geliebte, pulsierende Moab hinein, denn wir brauchen eine Tankstelle, die unseren Propantank füllen kann. Mit Propan wird gekocht, geheizt und das Duschwasser erwärmt, wenn wir keinen Strom vom Campingplatz haben. Der Tank hat die letzten dreieinhalb Wochen gereicht und nun zeigt die Anzeige “empty” an. Wir machen uns also auf die Suche; die erste Propanfüllstation ist sonntags geschlossen, die nächste Tankstelle hat kein Propan, aber bei der dritten haben wir Glück. Die Füllung geht blitzschnell und kostet uns 35 Dollar; wir können also getrost weiterkochen und Propan aufbrauchen, das ist viiel günstiger als Benzin!
Mit vollen Tanks stellen wir uns am Ausgang der Stadt auf einen Parkplatz und spazieren in den danebenliegenden Park, um das dritte Telefonat von heute zu führen. Dabei sitzen wir in T-Shirts an der Sonne, es ist herrlich warm! Upgedated mit News aus der Schweiz entscheiden wir uns dafür, für den Nachmittag noch in den Arches Nationalpark zu fahren. Der Parkeingang liegt hier gleich um die Ecke und es ist einer der berühmten Nationalpärke hier, den muss man schon gesehen haben! Wir biegen also auf die Strasse zum Tor ein und finden uns in einer doppelspurigen Autoschlange wieder. Ein Schild am Strassenrand verkündet, dass die Wartezeit bis zum Tor ab hier eine Stunde beträgt. Das nächste Schild informiert uns darüber, dass es nicht etwa reicht, ein Ticket für den Park zu lösen; man braucht zusätzlich einen Zeitslot, währenddem man hineinfahren darf. Dieser ist im Voraus zu buchen. Haben wir natürlich weder gewusst noch gebucht. Marco kriegt einen Moment lang fast die Krise. Aber irgendwie stecken wir in der Schlange fest, ohne Timeslot-Ticket und ohne die Möglichkeit, auf der engen Strasse zu wenden mit unserem riesigen Fahrzeug. Fast ein Moment, um loszulachen, aber Simone behält sich im Griff :) Kurz nach dem 30-Minuten-Schild kommt eine Einfahrt, in der wir verbotenerweise wenden und dabei zum Glück von netten und zuvorkommenden Autofahrern unterstützt werden, denn wir brauchen alle drei Spuren für das Manöver. Wir fahren die Strasse zurück bis auf einen Maximum-10-Minuten-Parkplatz, den alle zum Fotografieren des grossen Schildes vom Arches Nationalpark verwenden. Zuerst verabreichen wir Marco ein Coci. Dann beschliessen wir, die erlaubten zehn Minuten etwas auszudehnen und hier einen Zmittag zu picknicken, denn es ist schon 14 Uhr. Und schliesslich sieht die Welt dann bald auch nicht mehr ganz so schwarz aus. In der Nähe liegt der Canyonlands-Nationalpark und wir finden im Internet heraus, dass dieser ein ganz normaler Nationalpark ist, also kein Zeitslot-Ticket benötigt. Wir fahren 45 Minuten zum Teil des Parks, der Island in the Sky genannt wird, und werden hier mit schönen Ausblicken auf die vielen Canyons belohnt.
Beim Mesa Arch machen wir drei Runden um den Parkplatz, bis eine genügend grosse Parklücke für uns frei wird, und kommen schliesslich heute doch noch dazu, eine imposante Bogenformation zu besichtigen.
Am Himmel bilden sich imposante Gewitterwolken und wir werden noch Zeugen davon, wie schnell das Wetter hier umschlagen kann. Wir sitzen zum Glück im Camper, als uns ein starker Regenschauer erreicht und zeitweise graupelt es sogar. Wir sehen uns die letzten beiden Viewpoints hier noch an, steigen aber nur noch kurz aus für ein Foto. Regenschirme nützen nichts, der Regen kommt quer!
Wir machen uns wieder auf den Rückweg und suchen kurz vor Moab einen Stellplatz. Heute sind wir früher dran als am Freitag und bei Tageslicht finden wir auf Anhieb einen Ort zum Bleiben. Man muss sich nur trauen, ab dem Highway auf eine unbefestigte Strasse abzubiegen, um den nächsten Hügel zu fahren und plötzlich steht hinter jedem Busch ein Wohnmobil. Jeder “Stellplatz” wird von einer Feuerstelle markiert, und nach längerem Suchen finden wir tatsächlich einen Platz im Sand, der einigermassen gerade ist und keinen 4x4-Antrieb erfordert, um am nächsten Tag wieder davonzufahren. Der Handy-Empfang hier reicht gerade knapp, um für 15$ den Camping-Permit zu lösen.
Wir poppen zum Apéro Mikrowellen-Popcorn und köcheln dann ganz in Ruhe einen feinen Znacht. So lassen wir den Sonntag auch noch gemütlich ausklingen.