Widmers unterwegs

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Bryce Canyon National Park

Der Wecker um halb acht war ja gut gemeint, aber wir kriegen uns üüüberhaupt noch nicht aus dem Bett. Also drehen wir uns nochmals auf die andere Seite, während draussen die Sonne am blauen Himmel aufgeht und die ersten Pick-Ups mit ihren Fifth Wheels (das sind die riesigen Wohnwägen, die auf der Ladefläche des Pickups befestigt werden) bereits vom Platz rollen. Schliesslich starten wir um neun einen zweiten Versuch, dieses Mal gehts besser. Wir frühstücken ganz nach unseren neuen Gewohnheiten drinnen mit Gipfeli und Waffeln. Als wir nachher die Nasen in den Wind strecken, merken wir, dass sogar ein Frühstück an der Sonne aushaltbar gewesen wäre! Da packt Marco die Unternehmerlust und wir können nicht genug schnell zusammenpacken und losfahren.

Wir fahren eine gute halbe Stunde bis in den Bryce Canyon National Park. Im Sommer hat es hier Shuttle-Busse, weil die Parkplätze im Park anscheinend nicht ausreichen für alle Besucher. Aber seit einigen Tagen sind die Shuttles in der Winterpause und so sind wir halt mit dem Camper unterwegs. Zuerst stoppen wir im Visitor Center, schmökern durch den Shop und lesen noch allerlei Wissenswertes über die Faltung und die Entstehung all dieser Canyons hier in der Gegend (also Marco liest das, Simone presst in der Zwischenzeit wieder einmal einen Penny und kauft sich im Shop ein hübsches Büchlein, um diese aufzubewahren). Hier folgt auch die Erklärung zum Namen der Region, in der wir uns befinden: “Grand Staircase”. Es handelt sich bei dieser grossen Treppe um verschiedenfarbige Gesteinsschichten, die südwärts immer mehr zum Vorschein kommen. Hier im Bryce Canyon sind wir zuoberst, also in der neusten Gesteinsschicht. Von hier aus geht es immer weiter in die Vergangenheit, bis zum Grand Canyon, der tiefsten und ältesten Gesteinsschicht.

Wir suchen uns einen Parkplatz in der Nähe des Canyons, was tatsächlich gar nicht so einfach ist, aber auf dem vierten Parkplatz werden wir fündig. Als wir den Rucksack mit Proviant packen wollen, stellen wir wieder einmal fest, das Picknicken hier einfach nicht gleich viel Spass macht wie zu Hause, wo man richtiges Brot zur Verfügung hat! Getoastetes Toastbrot im Plastikbeutel mitnehmen ist keine Option. Ungetoastetes noch weniger. Das letzte Pack Blévita sparen wir für einen richtigen Notfall auf. Bleibt uns also nur eine Packung runder Sesam-Cracker (sie schmecken wir Karton), ein Pack Baby-Carrots (Simone hängen sie schon langsam zum Hals heraus, aber Marco kann nicht genug kriegen davon), eine Packung Scheiblettenkäse (mega scharf, war ein bizli ein Fehlgriff), ein paar Swiss-Schöggeli (immerhin das Dessert ist schweizerisch) und eine Banane. Wer Marco kennt, kann sich ungefähr seinen Gesichtsausdruck vorstellen, als er angewiedert mit zwei Fingern das gelbe Halbrund mit braunen Flecken in den Rucksack spediert! Der einzige Trost: Essen muss er sie wenigstens nicht selber. Wir packen ein paar Wasserflaschen, schmieren Sonnencrème und setzen unseren Sonnenhut auf, dann gehts los.

Wir schlendern vorbei an vollen Parkplätzen durch den Nadelwald, nicht sicher, was uns da erwartet. Und plötzlich sind wir vorne angekommen und sehen in den Canyon herab. Hier hat es keine Absperrung, es geht einfach zünftig das Loch herunter und ein paar Schilder warnen, man solle sich nicht zu nahe an den Abgrund begeben.

Wir befinden uns im Teil des Nationalparks, der Amphitheater genannt wird. Man kann hier den Rim Trail nehmen und alles der Abrisskante entlang spazieren, oder, und das machen wir, in den Canyon hinunter stechen und zwischen diesen imposanten Türmchen (“Hoodoos”), unter Gesteinsbögen hindurch und weiter unten durch lichte Wälder wandern. Was eigentlich als kleine Runde von 2 km begonnen hat, endet in, wer hätte es gedacht, einer nachmittagsfüllenden Wanderung, an deren Ende wir auf der anderen Seite des Canyons wieder oben ankommen und dann doch noch den Rimtrail zurück zum Camper nehmen. Wie das so ist, haben wir bei jedem Abzweiger noch eine kleine Runde angehängt, weil es so schön war.

Unser Ziel: Der Aussichtspunkt oben auf der Zinne

Oben angekommen

Unterwegs treffen wir übrigens fast nur Touristen aus Frankreich. Wir hören wirklich mehr Französisch als Englisch, irgendwie muss dieser Canyon im Routard Américain ziemlich hoch gepriesen werden (zu recht!). Ein paar Schweizer sind auch noch unterwegs. Die asiatischen Touristen findet man nur oben auf dem Rim Trail, die werden hier Car-weise ausgekippt und nach einer halben Stunde wieder eingesammelt.

Als wir gegen 17 Uhr wieder beim Camper ankommen, geniessen wir den Luxus, die heissen Füsse kurz kalt abzuduschen und fahren dann noch ca. 1.5 Stunden weiter in Richtung Zion National Park. Vor dem Parkeingang finden wir einen tollen Stellplatz in einem kleinen Tal, wo noch andere Anhänger, Zelte und Camper wild in der Landschaft herumstehen. Hier kochen wir uns einen feinen Znacht und planen dann noch etwas die nächsten Etappen.

Wenn wir an dieser Stelle eine kleine Zwischenbilanz ziehen, so haben uns eigentlich bisher der Bryce Canyon National Park, der Grand Teton National Park und der Mesa Arch im Canyonlands National Park am besten gefallen. Wir sind gespannt, wie es weitergeht!