Antelope Canyon
Heute früh klingeln unsere beiden Wecker promt um eine Stunde verschoben. Völlig verschlafen morgens um halb sieben herauszufinden, welche Uhrzeit nun wirklich die richtige ist, ist eine echte Challenge. Aber beim ersten Mal Klingeln ist es tatsächlich erst halb sechs und noch stockdunkel, also schlafen wir nochmals eine Runde. Dass wir auch gleich am Wochenende der Zeitumstellung in dieser Ecke des Landes sind, wo die Zeitzonen total verwirrend sind, ist irgendwie dumm gelaufen. Gestern, als wir uns gemütlich auf unserem Campingplätzchen installierten, kamen zwei ebenso verwirrte, ältere Holländer fragen, ob wir wissen, wie spät es denn nun ist. Für uns Europäer ist es echt schwierig, hier den Überblick zu behalten! Aber zusammen einigen wir uns auf eine Theorie…
Jedenfalls, beim zweiten Wecker heute Morgen stehen wir dann auf, frühstücken, geniessen den wunderbaren Morgenhimmel über dem See und fahren dann los. Wir haben für 9:45 Uhr eine Tour durch den Lower Antelope Canyon gebucht, nachdem der von allen so beschwärmt wurde. Weil wir zu früh dran sind, fahren wir noch eine Schlaufe durch Page hindurch. Das Dorf ist viel weniger touristisch als Moab, aber am frühen Morgen ist auch noch absolut nichts los.
Wie verlangt treffen wir 45 Minuten vor Tourbeginn beim Parkplatz ein (scheinbar sind wir die einzigen, die das so genau befolgen), checken uns ein und beobachten dann das Touristen-Gewusel. Zwei indigene Tour-Unternehmen starten abwechslungsweise etwa im 7-Minuten-Takt Führungen mit ca. 15 Gästen. Mitnehmen darf man nichts ausser Kameras, Handys und Wasserflaschen. Marcos Lust auf diesen Tourikram ist etwas verhalten, aber als wir schliesslich starten und in den Slot Canyon hinabsteigen, ist es doch ziemlich beeindruckend (ein bisschen zu teuer bleibt es, aber wir sind ja nur einmal da). Die Tour durch die 300 Meter lange Schlucht dauert etwas mehr als eine Stunde, damit genug Zeit zum Fotografieren bleibt.
Unser Tour-Guide ist ein echter Navajo. Plötzlich packt er eine traditionelle Flöte aus und spielt uns ein kurzes Stück mit diesen typischen Klängen, die wir nur aus Winnetou-Filmen kennen. Es passt mega an diesen mysthischen Ort. Zusätzlich bietet er uns sozusagen eine Fototour, gibt Tipps für die besten Kamerafilter, macht Bilder von uns an den besten Orten, fotografiert mit all unseren Handys und Kameras die Gesteinsformationen aus dem richtigen Winkel, damit man die Seepferdchen, Adlerköpfe und Bärenschädel auch sieht. Nebenbei erzählt er, dass der Canyon manchmal geflutet wird und dann alle mit Strickleitern evakuiert werden müssen.
Schliesslich steigen wir durch eine Spalt wieder nach draussen und sind erstaunt, dass man den Einstieg hier so schlecht sieht. Wahrscheinlich sind wir schon an vielen solcher Slot Canyons einfach unachtsam vorbei gewandert…
Nach der Tour fahren wir zurück nach Page und gehen im Walmart ein paar Nahrungsmittel einkaufen. Es ist gerade Mittagszeit und wir picknicken im Camper nochmals auf dem Parkplatz, auf dem wir vorletzte Nacht geschlafen haben.
Nach der Mittagspause fahren wir los in Richtung Grand Canyon. Die Fahrt dauert ca. 2.5 Stunden und unterwegs halten wir ein einem der zahlreichen Strassenstände an, um Töpferkunst und Schmuckstücke zu bestaunen, die die Navajos hier verkaufen. Dann kommen wir von Osten in den Nationalpark hinein.
Am ersten Aussichtspunkt halten wir an und bestaunen den riesigen Canyon. Marco war vor fünf Jahren schon einmal hier und vieles kommt ihm bekannt vor. Wir gönnen uns ein Glacé und plägern ein bisschen herum, an der Sonne ist es hier wunderschön warm.
Dann fahren wir weiter in Richtung Grand Canyon Village, wo wir für heute Abend einen Campingplatz gebucht haben. Als wir um 18 Uhr ankommen, ist es bereits stockdunkel. Wir versuchen einzuchecken, werden aber drei Mal hin- und her geschickt, weil sich die Angestellten nicht einig sind, wo wir nun unsere Anmeldung machen sollen. Der Platz ist der zweitteuerste auf unserer Reise, es hat aber weder WLAN, noch passt der 50A-Stromanschluss für unseren 30A-Stecker, aber dafür sind wir hier mitten im Nationalpark (eingepfercht zwischen hundert anderen Wohnmobilen, aber das sehen wir ja nicht in der Dunkelheit). Zum Znacht gibts Pizza-Resten und Salat und dann geniessen wir nochmals einen gemütlichen Abend in unserem Daheim auf vier Rädern.