Widmers unterwegs

Sonntag, 27. Oktober 2024

Grand Canyon

Wenn wir schon mitten im Grand Canyon National Park übernachten, dann stehen wir heute auch nochmals für den Sonnenaufgang früh auf! Wegen der neuen Zeitzone geht die Sonne schon um 6:45 auf, wir müssen also wirklich früh aus den Federn! Aber einmal aufrecht, gehts… Wir ziehen uns so warm an wie es nur geht, im Arches National Park haben wir nämlich sehr gefroren am frühen Morgen. Wir lassen den Camper auf dem Campingplatz stehen und marschieren bis nach vorne ans Rim. Fast auf die Minute genau kommen wir mit der Sonne gleichzeitig dort an, haben aber unterwegs bereits die Hälfte der Kleider wieder ausgezogen, es ist so warm! Wir beobachten mit ganz vielen anderen, wie die ersten Sonnenstrahlen in den Canyon fallen und geniessen das Spektakel.

Da wir nun schon wach sind, machen wir uns auf den Weg dem Rim Trail entlang. Für die nicht so ambitionierten Wanderer gibt es hier 20 km geteerten Spazierweg der Abbruchkante entlang, man kann während dem Spazieren ständig den Blick in den Canyon schweifen lassen. Ganz anders als zu Hause im Lindbergwald! Da spazieren wir also noch ca. zwei Stunden und machen unterwegs eine Frühstückspause (Marco schleppt übrigens immer den Rucksack mit. Daran erkennt man hier richtige Schweizer. Die Amis tragen nur ihre Wasserflasche in der Hand, der Rest ist im nahe gelegenen Auto verstaut…). Am Schluss nehmen wir den Shuttlebus zurück bis zum Campingplatz.

Die sportlichere Alternative hier wäre übrigens der Rim to Rim Trail. Man kann vom South Rim hinabsteigen, unten den Colorado River überqueren und dann die 1800 Höhenmeter bis zum North Rim wieder hochsteigen. Man braucht 2-3 Tage dafür und übernachtet irgendwo im Canyon unten auf einem Zeltplatz. Das muss man aber sechs bis zwölf Monate im Voraus reservieren, denn so eine Wanderung muss gut geplant sein! Das alles entnehmen wir Hinweisschildern unterwegs. Diese warnen uns auch vor dem Verdursten und Verhungern unterwegs und dass man sich nicht überschätzen soll, weil man ja den ganzen Weg wieder hochsteigen muss. Das Ganze sparen wir uns für ein anderes Mal auf. Ist uns sowieso nicht so sympathisch diese Planerei, und dann hat man genau Regen am auserkorenen Tag… Wir sind lieber spontan unterwegs.

Zurück beim Camper ist es erst halb zehn, und wir müssen den Platz erst um zwölf freigeben. Weil uns die Müdigkeit noch in den Knochen steckt, kriechen wir nochmals für knapp zwei Stunden unter die warme Bettdecke und schlafen eine zweite Runde tief und fest. Als der Wecker dieses Mal klingelt, stehen wir federleicht auf, geniessen eine warme Dusche und fahren um exakt 11:59 vom Platz.

Wir schnappen uns einen warmen Zmittag To Go im Dorflädeli und dann gehts los, grob in Richtung Las Vegas. Es ist eine weite Strecke und wir wechseln uns ab mit Fahren. Unterwegs fahren wir ein Stück der Route 66 entlang und durch die Städtchen Williams und Seligman, um eine Nase voll Töfffahrerfeeling zu nehmen. An welcher Strasse man hier ist, ist nicht zu übersehen, überall stehen Schilder. Wir tanken bei der bisher günstigsten Tankstelle unserer Reise (mit dem bisher tiefsten Zapfsäulendruck; wir warten ewig auf unsere 38 Gallons) und sehen uns zum Schluss das Dorf Chloride an, weil es im Reiseführer erwähnt wird als Ghost Town mit Künstlerateliers. Als wir ankommen, ist es ziemlich heruntergekommen und verfallen, aber nicht verlassen, überall stehen Trump-Schilder herum. Auf einem Parkplatz halten wir an und googeln nach einem Ort für die Nacht, da merken wir, dass wir nur 700 Meter weiterfahren müssen und dort einen erlaubten Stellplatz in der Natur finden. Als wir um 17 Uhr ankommen, steht da auch schon ein anderer Camper. Wir richten uns ein, da läuft gleich neben uns eine Gruppe von elf Rehen gemütlich über die Strasse. Simone kann wieder einmal ihren Feldstecher brauchen und sie so ganz genau betrachten!

Bald wird es dunkel und wir ziehen uns in den Camper zurück. Hier kochen wir uns noch ein Riz Casimir (mit Tofu, aber das passt erstaunlich gut!) und recherchieren, wie und wo wir morgen in Las Vegas mit unserem riesigen Chlapf am besten parkieren.