Widmers unterwegs

Freitag, 1. November 2024

Endlich wieder Meer!

Die Nacht war relativ ruhig, von der Baustelle haben wir nur wenig gehört. Aufgefallen ist uns nur der pilot car: Die Strasse war nur einspurig befahrbar, und anstatt ein Lichtsignal zu installieren, fuhr die ganze Nacht ein Auto mit vielen Warnlichtern hin und her und der Verkehr durfte nur fahren, wenn er dem pilot car hinterher fuhr. So löst man das hier…

Die Sonne scheint wieder einmal wunderbar warm vom Himmel, als wir aufstehen und frühstücken. Um halb zehn fahren wir los, uns trennen noch ca. drei Fahrstunden vom Meer und Simone kann es fast nicht erwarten. Sie freut sich wahnsinnig darauf, als krönenden Abschluss der Reise die letzten zehn Tage wieder in Meeresnähe zu verbringen!

Wir fahren durch schöne trockene Hügelketten und kommen uns fast vor wie in der Savanne in Afrika. Etwas später kommen wir durch riesige Obstplantagen. Etwa auf halber Strecke machen wir bei einem Walmart eine Pause und erledigen unseren Wocheneinkauf, langsam müssen wir schon planen, dass uns das Essen etwa aufgeht! Auf dem Parkplatz werfen wir den Generator an und backen unsere Pizzaröllchen und essen einen Salat dazu. Dabei haben wir alle Fenster offen und lüften noch ein bisschen, denn vom gestrigen Znacht riecht es noch etwas arg nach angebratenem Fleisch. Inzwischen haben wir alle Skrupel verloren und wir campieren, wo es uns gerade passt :) Hier in Kalifornien hat es auf den Petflaschen ein Pfand und es fällt uns auf, dass mehr Recyclingstationen herumstehen. Es wird hier alles ein bisschen europäischer!

Am frühen Nachmittag kommt endlich der langersehnte Pazifik in Sicht. Wir parkieren in Monterey in der Nähe der Fisherman’s Wharft und spazieren im Hafen über Peers und der Küste entlang. Wunderbar, die frische Meeresbrise! Simone ist im siebten Himmel. Wir schauen Hobbyfischern bei der Arbeit zu und entdecken im Hafenbecken Seelöwen zwischen all den Möwen.

Auf der Westseite des Hafenbeckens treffen wir viele Touristen, denn auf den Steinen am Ufer haben sich Schwärme von Tausenden von Möwen und Pelikanen versammelt. Und dann sehen wir auch, wieso: im Wasser schwimmen ganz viele tote Fische. Da muss es einen Schwarm Sardinen angeschwemmt haben, meint ein Beobachter neben uns. Es ist ein Festessen für die Tiere und wir staunen, Simone hat Pelikane erst im Zoo gesehen. Und noch nie so viele aufs Mal. Übrigens fliegen die in so schönen V-Formationen wie Gänse!

Als wir noch etwas weiterschlendern und in die nächste Bucht kommen, treffen wir auf das Highlight des Tages: Hier haben sich nämlich, wahrscheinlich auch wegen der Fische, HUNDERTE Seelöwen versammelt. Es tönt wahnsinnig laut und stinkt fürchterlich (vor allem scheinbar für Kinder, die halten sich hier alle gequält die Nasen zu). Die Sippe hat hier gleich einen Park mit einigen Bänken, die sonst zur Aussicht aufs Meer genutzt werden, in Beschlag genommen. Um die Tiere vor uns und vermutlich auch die Menschen vor den Seelöwen zu schützen, hat die Gemeinde das Areal provisorisch mit Gittern abgesperrt. Aber die Seelöwen wagen sich bis ans Gitter, fläzen sich da hin und nehmen von uns keine Notiz. Wir beobachten lange, wie sie zufrieden schlafen, über die anderen drüberrobben um zurück zum Wasser zu kommen und sich ab und zu anfauchen und ein paar Machtkäpfe ausüben.

Auf dem Rückweg zum Camper hören wir noch lange ihre typischen Geräusche. Wir fahren ein Stück weiter aus dem Städtchen hinaus und parkieren nochmals an der Küste, um einen Spaziergang dem Meer entlang zu geniessen. Dabei geht die Sonne langsam unter und alles steckt in einem mysthischen Dunst, der uns an unsere Abende am Strand rund um den Olympic Nationalpark erinnert.

Weil wir schon mal hier sind, fahren wir noch etwas weiter nach Carmel by the Sea, denn der Reiseführer meint, es sei dort schön… Wir cruisen kurz über die Hauptavenue und stellen fest, dass es hier einige süsse Restaurants zwischen vielen Luxusläden gibt und beschliessen, nicht mal auszusteigen sondern uns mit dem Blick aus dem Fenster zufrieden zu geben.

Dann fahren wir weiter zum Campingplatz. Wir kommen um halb sieben an und schliessen mal wieder alle Leitungen und Schläuche an. Simone beginnt mit dem Zubereiten des Nachtessens und Marco inspiziert die Waschküche hier. Hier haben extra einen Platz gebucht, der Waschmaschinen haben soll, denn wir müssen dringend noch ein letztes Mal waschen! Marco ist aber schnell zurück; leider schluckt die Waschmaschine wieder einmal nur Quarters (und davon viele, wenn eine Wäsche 3 Dollar kostet, sind das ja immerhin zwölf Münzen, und dann ist die Wäsche noch nicht getumblert). Münzen wechseln kann man im Office, aber das hat seit 17 Uhr geschlossen und ist erst morgen ab neun Uhr wieder besetzt. Wir kochen also zusammen und disponieren ein bisschen um, so dass wir morgen früh die Wäsche machen und heute einen freien Abend geniessen können.

Nach dem Nachtessen zieht es uns nochmals nach draussen in die dunkle Nacht. Unser Campingplatz liegt direkt an einem kleinen Hafen in Moss Landing und während des Nachtessens haben wir draussen ständig Seelöwen brüllen gehört. Wir müssen denen schon noch auf die Spur gehen und schauen, wie nahe an unserem Camper diese übernachten! Also schnappen wir die Taschenlampe und spazieren den Hafen ab. Tatsächlich finden wir im Dunkeln ein paar Seelöwen auf einem Floss keine 100 Meter von unserem Camper entfernt und etwas weiter weg wieder eine riesige Gruppe auf einer Hafenmauer. Die lärmen wie verrückt, als wir nachts vorbeischauen! Simone dachte immer, Seelöwen seien bedrohte Tiere. Aber also hier hat es von denen fast so viele wie Möwen!

Auf dem Rückweg nehmen wir den Umweg über den Strand und geniessen noch einen romantischen, nächtlichen Strandspaziergang bei Nieselregen. Die Wellen toben und brausen, fast ein bisschen unheimlich mitten in der Nacht! In der Ferne sehen wir ein Feuerwerk und einmal stolpern wir fast über einen monströsen Seelöwen-Bullen, der hier einsam im Sand übernachtet. Er sah für uns lange nur aus wie ein Stein. Simone erschrickt natürlich zu Tode, aber das Tier nimmt keine Notiz von uns, öffnet nur müde ein Auge und schläft dann weiter. Zurück beim Camper lauschen wir noch lange den Tieren und fragen uns, wie nervig sie wohl sind, wenn man permanent hier wohnt. Aber für uns ist es definitiv ein Erlebnis!