Widmers unterwegs

Samstag, 2. November 2024

Tech-Tag in der Bay Area

Frisch geduscht wechseln wir pünktlich um neun unsere Quarters an der Reception. Wir nehmen gleich eine ganze Rolle, die Quarters gehen uns so sicher nicht mehr aus, bis wir nach Hause müssen! Während unsere Wäsche wieder sauber wird, gibts für uns Frühstück und wir schreiben den Bericht des gestrigen Tages noch fertig. Haben wir faul auf heute Morgen verschoben :)

Um halb zwölf gehts schliesslich los in den Tag, mit gefüllten Tanks, sauberen Unterhosen und recycelten PET-Flaschen. Zuerst fahren wir nochmals kurz an den Seelöwen von gestern Nacht vorbei und schauen sie uns bei Tageslicht an; sie plägern immer noch am gleichen Ort.

Da uns zu Ohren gekommen ist, dass der Eindruck entsteht, dass immer nur Marco mit unserem Camper durch die Gegend kurvt, betonen wir hier noch, dass sich heute Simone durch das Gewühl auf sechsspurigen Autobahnen ins Silicon Valley kämpft. Marco recherchiert in dieser Zeit noch diverse Öffnungszeiten und die beste Route an all unseren Stops vorbei.

Unser erster Zwischenstop wäre eigentlich eine Shoppingmall, die einen spezifischen Laden beinhaltet, den es nur in Amerika gibt. Nachdem wir aber den Komplex in fast dreissig Minuten im dichten Verkehr eineinhalb Mal umrundet haben und sich keine der Einfahrten in Parkplätze oder Parkhäuser als hoch genug für unsere 12’ erwiesen hat, geben wir dieses Unterfangen auf und fahren direkt weiter zum Visitor Center des Apple Campus. Wir werden fürstlich behandelt, man öffnet extra einen Parkplatz für unseren RV und weist uns ein. Wer Bilder vom Hauptsitz von Apple kennt, stellt sich nun sicher vor, dass wir in diesem riesigen Donut herumstiefeln. Aber leider nein, das Visitor Center ist ein separates Gebäude, das im Prinzip einfach ein etwas grosszügigerer Apple Store ist… Das beindruckt uns nicht sehr (Marco ist ja sowieso schon kein Apple-Fan) und wir sind schnell durch.

Hinter den Bäumen ist der “Donut” zu erahnen

Inzwischen ist es bereits ca. 15 Uhr geworden und der Hunger nagt an unseren Mägen. Gut, dass wir unterwegs wieder einmal an einem McDonalds vorbeifahren, da halten wir an und essen draussen an der Sonne ein verspätetes Mittagessen.

Mit neuem Elan statten wir als nächstes dem Computer History Museum einen Besuch ab. (Ist Simone nicht tapfer? Eine Tech-Firma reiht sich hier an die andere, und dann wagt sie sich sogar noch in ein Museum hinein!) Hier gibt es von alten analogen Rechengeräten wie Rechenschiebern bis zu grossen Servern und Supercomputern alles zu sehen. Wir haben nur noch knapp eineinhalb Stunden Zeit, bevor das Museum schliesst und schauen uns an, was uns ins Auge springt. Wir finden eine Übersicht über die Halbleiterproduktion, an der Marco ganz anschaulich erklären kann, was er drei Jahre bei onsemi den ganzen Tag so gemacht hat. Alles in allem hat es aber viel zu viele Sachen, darum sind wir gar nicht so böse, als wir um 17 Uhr vor die Tür gestellt werden.

Ein paar Strassen weiter halten wir nochmals an, dieses Mal auf dem Google Campus. Hier fühlen wir uns ein bisschen wie am Temple Square in Salt Lake City: an jeder Ecke steht ein Mitarbeiter in einer blauen Jacke und erklärt uns den Weg, oder was man hier alles anschauen kann. Auf dem Campus verteilt stehen überall Android-Männchen und Marco erklärt, dass die verschiedenen Versionen des Betriebssystems nach Süssigkeiten benannt werden. Wir finden Kitkat, Jelly Bean, Lollipop, eine witzige Idee. Hier gibt es ausserdem Google-Velos, die man benutzen kann, ein ganz tolles, richtig europäisches Café (schade kommen wir mit vollem Bauch) und in der riesigen Parkanlage ein paar Kunstexponate.

Nach der Besichtigung steigen wir wieder ein und nehmen noch das letzte Stückchen Weg bis nach San Francisco unter die Räder: Unser Ziel für heute Abend ist die Golden Gate Bridge. Marco hat uns hier einen super Parkplatz gleich an der Brücke herausgesucht, auf dem man über Nacht stehen bleiben kann. Wir geben die Route im Navi ein und los gehts. Irgendwann schickt es uns weg von der Autobahn und natürlich direkt durch das Getümmel in der Innenstadt. Klappt ja super, wie wir die Grosstädte mit unserem Camper grossräumig umfahren… Es dauert einen Moment, bis wir realiseren, dass wir gerade über Tramschienen gefahren sind und die Strassen immer steiler werden… Na Bravo, das Navi schickt uns direkt über den steilsten Hügel mitten in der Stadt. Natürlich keine gute Idee mit unserem Problem, dass wir schlecht über steile Schwellen kommen. Bis oben klappts gut, aber auf dem Weg wieder nach unten kratzen wir tatsächlich wieder einmal mit dem hinteren Ende die Strasse. Schliesslich finden wir den Weg aus dem Kuchen heraus und fahren über die Brücke, die auch nachts rötlich schimmert. Auf der anderen Seite finden wir problemlos den erwähnten Parkplatz und reihen uns hier zwischen vier anderen Campern für die Nacht ein. Der Ort ist toll gelegen, man sieht auf die Brücke und über die Bucht auf die Innenstadt von San Francisco.

Wir drehen noch eine Runde über den grossen Parkplatz. Es ist hier einiges los an einem Samstagabend. Der Promenade entlang bieten sicher zehn Stände dieselben Hotdogs mit gerösteten Zwiebeln an, die auf den mitgebrachten Kochern ein bisschen unappetitlich vor sich hin brutzeln. Am Verkaufskonzept könnte man hier noch das eine oder andere verbessern! Wir kochen uns lieber im Camper noch etwas zum Znacht. Die Idee wäre Suppe und Frischbackbrötchen. Marco hat ganz zu Beginn unserer Ferien eine Büchse Campbell Soup mit Gemüsegeschmack gekauft, weil er das unbedingt probieren wollte. Bisher hatten wir immer bessere Menualternativen zu bieten, aber heute Abend wird es Zeit für diese Büchse (es sieht für Simone absolut nicht gluschtig aus). Die Kochanleitung weist einen dann an, den Inhalt der Büchse in ein Gefäss zu geben, die Büchse nochmals mit Wasser zu füllen, dieses hinzuzugeben und das Ganze dann in der Mikrowelle heiss werden zu lassen. Wir kochen es lieber in der Pfanne… Gleichzeitig backen wir im Backofen unsere Laugenstangen auf, aber nur bis es kurz hottert und der Ofen dann den Geist aufgibt; wir haben nicht mehr allzu viel Benzin und anscheinend hat der Generator da eine Sicherheitsabschaltungsfunktion. Jänu, dann essen wir stattdessen halt Crackers zu unserer Suppe. Beide sind wir nicht sehr überzeugt vom Produkt Büchsensuppe. Aber es ist wieder einmal etwas Amerikanisches, das wir ausprobiert haben (und für nicht sehr geniessbar befunden). Als wir schliesslich noch Bericht schreiben und für morgen recherchieren, finden wir heraus, dass just morgen der Golden Gate Halbmarathon über die Brücke führt. Somit ist auch unsere Parkplatzlösung für die morgige Stadtbesichtigung wahrscheinlich vom Marathonmaterial besetzt und wir müssen umdisponieren. Immerhin haben wir es noch früh genug gemerkt!