Widmers unterwegs

Mittwoch, 13. November 2024

Bye Bye Camperleben!

Heute Morgen räumen wir in ca. 2.5 Stunden alles zusammen; unsere drei Koffer werden fertig gepackt, das letzte zusammengebastelte Frühstück verspiesen, das letzte Mal alles rausgebeselt und alle Tänke geleert, die Schränke und die Küche rausgeputzt und zwei grosse Abfallsäcke, ein kaputter Besen und durchgelaufene Turnschuhe entsorgt. Um halb neun sind wir abfahrbereit. Dankdem unser Nachbar seinen Pickup diese Nacht auf einen anderen Parkplatz gestellt hat, kommen wir in einem Guss aus dem Stellplatz heraus. Wir tanken ein letztes Mal voll, dann fahren wir zum Camper-Rückgabeort. Die Zufahrt auf das enge, bereits mit Campern vollgestellte Gelände ist nicht ganz Camper-tauglich, aber wir schaffen es ohne Kratzer. Hier räumen wir alles aus, unser Gepäck, aber auch all die Sachen, die wir uns vom Gratis-zum-Mitnehmen-Gestell in Seattle geschnappt haben, stellen wir hier für die nächsten wieder hin. Ein letzter Kontrollgang durch alle Aussenstauräume und die Innenfächer, und dann nehmen wir Abschied von unserem Zuhause auf Zeit und geben den Schlüssel ab. In diesen sieben Wochen sind wir 5927 Meilen gefahren (rund 9500km) und haben dabei über 600 Gallons Benzin verbraucht (rund 2300l).

Nun heisst es warten auf den Shuttle, der uns direkt an den Flughafen LAX bringt. Während wir unseren Kaffee trinken und die Sonne geniessen, kommt noch ein weiterer Camper zurück. Es sind zwei Schweizer Pärchen in unserem Alter. Sie kommen auch Sissach und waren wie wir zwei Monate unterwegs. Lustigerweise haben wir eine sehr ähnliche Route gemacht und unterwegs an den Flughafen werden Anekdoten ausgetauscht und wir lachen herzhaft zusammen über das Erlebte und darüber, dass wir mit Campingplatzsuchen, dem langen Vehikel oder gewissen Einrichtungen im Camper ganz ähnliche Problemchen hatten.

Am Flughafen stellen wir als erstes unsere Koffer auf die Waage, und dann geht das grosse Umpacken los. Hier 2kg zu viel drin, dort noch 0.8 kg Spatzung… Nach drei Versuchen kriegen wir es hin, dass beide Koffer ziemlich genau ihre erlaubten 23 kg wiegen und wir geben das Gepäck auf. Die nette Dame möchte unser Handgepäck auch noch wägen. Ein mahnender Blick, weil wir weit über den erlaubten 8kg sind… Aber wir erklären, dass wir das Wasser noch austrinken und sicher noch etwas Proviant verspeisen werden :) Sie meint, dann sei es ok und winkt uns durch.

Inziwschen ist es bald 13 Uhr und wir suchen uns ein Mittagessen. Beim Asiaten werden wir fündig und geniessen eine leckere Bowl. Wir leeren wie versprochen noch unsere Wasservorräte und dann gehts durch die Sicherheitskontrolle. Es ist absolut nichts los, wir kommen sogleich an die Reihe und ziehen brav die Schuhe und alle Jäckli, Pullis, Schals etc. aus und stellen uns mit erhobenen Armen in den Ganzkörperscanner. Dann wird man noch abgetastet, dabei fühlt man sich ein bisschen wie ein Schwerverbrecher! Der Sicherheitsbeamte fischt unseren Koffer raus und möchte ihn genauer inspizieren; das hat er selber so gewählt, und wir helfen auch nicht dabei, ihn wieder zuzukriegen, denn unsere 8kg sind ja wie gesagt voll ausgereizt! Nachdem er unsere Schokolade mit einem Papierchen abgestrichen hat (wohl ein Sprengstoff-Test?) und die obersten paar Dinge auf die Seite geschoben hat, ist er zufrieden und gibt uns das Gepäcksstück zurück.

Im Transitbereich des Flughafens ist es auch sehr ruhig und wir finden eine Lounge mit Blick auf viele parkierte A380 und auf unser Gate. Hier geniessen wir den ganzen Nachmittag nochmals die Sonne, durchforsten das Internet nach einer neuen, etwas grösseren Wohnung für die zukünftige Familie Widmer, trinken Cola und Kaffee und lassen ein bisschen wehmütig nochmals die durchlebten Wochen Revue passieren.

Unsere 777 zurück in die Schweiz

Als die Sonne untergegangen ist, wird es bald Zeit, ins Flugzeug zu steigen. Natürlich hat uns Luca gebrieft, welche Plätze wir in der Boeing 777 reservieren sollen, um möglichst viel Beinfreiheit zu haben. Als der Maitre de Cabine unseren Boarding Pass sieht, beginnt er zu strahlen, heisst uns herzlich willkommen auf dem Rückflug aus den Flitterwochen und wünscht uns einen angenehmen Flug. Luca hat wieder eingefädelt, dass wir fürstlich behandelt werden!

Wir finden unsere Plätze in der nicht ausgebuchten Maschine und freuen uns über die Beinfreiheit, wir sitzen einiges bequemer als auf dem Hinflug! Kaum angekommen, bekommen wir einen Welcome Drink angeboten, der eigentlich für die Business Class Passagiere reserviert ist und erhalten ein Wellness-Kit mit Schlafmaske, Zahnbürste und warmen Socken. Zum Glück sitzen wir ganz zu hinterst, so bekommen unsere Spezialbehandlung nicht viele andere Fluggäste mit und niemand wird eifersüchtig :)

Wir starten pünktlich und fliegen über das Lichtermeer von LA einen grossen Bogen über den Pazifik, bevor wir landeinwärts in nordöstlicher Richtung den Heimweg antreten.

Unten links der Flughafen LAX

Nach dem Nachtessen (es gibt Älplermagronen) wird das Flugzeug abgedunkelt und die Nacht eingeläutet. Netterweise hat uns die Crew eine Reihe mit vier Sitzen frei gehalten, so dass wir uns über insgesamt sechs Plätze ausbreiten können und zwischendurch sogar ausgestreckt hinlegen können. Und so schweben wir zwischen Gedröhne, Turbulenzen, Filmen und zwischenzeitlichem Dösen langsam zurück Richtung Schweiz.